Julia Auclair

17 März, 2026

Gastro-Gründer-Preis 2026 / Internorga: Gastronomie-Konzept schafft Wir-Gefühl

Gewannen in diesem Jahr den Deutschen Gastro-Gründer-Preis: Geo Sotiriou (l.) und Milan Maas mit ihrem Restaurant „Noi“. Foto: Henning Angerer

Mit Herzblut, Leidenschaft sowie digitalen Tools und KI überzeugte das Gastro-Konzept eines Kölner Quartetts die Jurymitglieder des diesjährigen Deutschen Gastro-Gründer-Preises. Dieser fand wie gewohnt im Zuge der Internorga statt.

Fünf Finalisten-Teams des Deutschen Gastro-Gründer-Preises präsentierten auf der diesjährigen Internorga in Hamburg das Konzept ihres Startups und hofften auf den Sieg: Coffee, Brownies & Downies, Gestütsgasthof Offenhausen, Noi, Rübenrot und Schmarrnsinn. So unterschiedlich die verschiedenen Gastronomien auch sind, so zeigte sich jedoch, dass eines allen fünf Wettbewerbern gemeinsam ist: Die Motivation, ihren Gästen nicht nur leckeres Essen und Getränke zu bieten, sondern vielmehr einen Ort zu gestalten, der Menschen zusammenbringt, Gemeinschaft stiftet und ein Wir-Gefühl schafft. Gelingen soll dies den Konzepten zufolge durch ein faires Miteinander auf allen Ebenen. Dabei stehe laut Teilnehmern weniger das Gewinnstreben im Fokus als der Wunsch, Emotionen und Erlebnisse zu bieten.

Italienisches Restaurant will Fremde zu Freunden machen

Sieger ist in diesem Jahr das Restaurant Noi im Belgischen Viertel in Köln, bestehend aus dem Gründer-Quartett Milan Maas, Bernd Kirsch, Geo Sotiriou und David Ziaja. Die Entscheidung für die Gründung erfolgte eher zufällig im Sommer 2024 bei einem Besuch des Lokals, als dessen Wirt ihnen von der bevorstehenden Geschäftsaufgabe berichtete. Die Freunde beratschlagten und entscheiden sich dann für die Rettung des Lokals. Hierfür brachten die Geschäftspartner die notwendige Erfahrung mit: einer ist Koch, ein zweiter verfügt über viel Erfahrung im Event- und Cateringbusiness, der dritte kommt aus der datenbasierten Prozesssteuerung.

Bereits im Herbst desselben Jahres eröffneten sie den nur 45 Quadratmeter kleinen Gastraum mit ihrem italophilen Konzept „Noi – Cena con Amici” mit 30 Sitzplätzen. Seitdem laden sie ihre Gäste zum italienischen Abendessen ein und verfolgen dabei das Ziel, ein „Wir-Gefühl“ zu schaffen, bei dem aus Fremden Freunde werden.

Personal- und Speiseplanung mithilfe von KI

Doch nicht nur die Ambitionen der Gründer überzeugten schließlich die Fachjury sowie das Fachpublikum während der Hamburger Fachmesse. Auch die Effizienz der Betriebsorganisation dank digitaler Tools und Künstlicher Intelligenz (KI) sorgte für Eindruck. Diese steuern im Hintergrund die Personal- und Speisenplanung, den Einkauf, die Tischbelegung und ermöglichen darüber hinaus eine Food-Waste-Quote von unter fünf Prozent.

Auch der Bestseller „Pasta Tartufo auf Carpaccio“ ist das Ergebnis exakter Datenanalyse, erklärt Geschäftsführer Geo Sotiriou die Entstehung der Signature Dishs: „Für die Trüffelpasta auf Rindercarpaccio haben wir die beiden beliebtesten Gerichte einfach kombiniert.“ Die Eigenkreation ist eine der wenigen Konstanten im Kreis der rund 100 verschiedenen, stetig wechselnden Rezepturen, die ganz nah am Gast in der offenen Küche aus frischen und regionalen Zutaten zubereitet werden. Die Fusion aus Tradition und moderner Interpretation ist den Gästen im Schnitt 70 Euro wert. Ihre Learnings in Sachen Ambient Dining 2.0 möchten die vier zudem gerne an andere Gründer mit wenig Budget weitergeben. Denn sie sind überzeugt: Auch in kleinen Restaurants kann Großes passieren, wenn Gastronomie wieder näher an den Menschen rückt.

Die Gewinner Geo Sotiriou und Milan Maas zeigten sich bei der Preisverleihung voller Stolz und erklärten: „Das ist wirklich surreal. Wir haben den Preis in den vergangenen Jahren verfolgt und uns vorgestellt, einmal auf dieser Bühne zu stehen. Dafür, dass es heute Realität geworden ist und wir gewonnen haben, sind wir unglaublich dankbar. Vor allem unserem Team, denn ohne die Menschen dahinter geht es nicht.“

Sach- und Coaching-Preise für die Teilnehmer

Als Hauptgewinn erhalten die Sieger ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro – gesponsert von der Redo Gastronomy Academy –, ein Coaching in der Persönlichkeitsschmiede von Frank Simmeth sowie eine 40-stündige Beratung durch den Leadersclub Deutschland. All dies soll helfen, das Startup weiter am Markt zu etablieren und die zukünftige Unternehmensentwicklung zu professionalisieren. Für die übrigen Finalisten winken darüber hinaus attraktive Geld-, Sach- und Coaching-Preise: Neben medialer Unterstützung, einem Orderbird Pro-Kassensystem inklusive Jahreslizenz, Kartenleser sowie einem iPad Air und zwei Jahren kostenfreier Gastmitgliedschaft im Leadersclub Deutschland steht den Gründern jeweils ein Jurymitglied als Mentor zur Seite.

Wegweiser für die Gastronomie-Branche

„Für uns als Internorga ist der Deutsche GastroGründerpreis ein wichtiger Gradmesser dafür, wohin sich die Branche entwickelt. Die diesjährigen Finalisten beweisen, dass gute Gastronomie auf Haltung, Kreativität und einem starken Teamgeist basiert. Genau solche Konzepte braucht es, um zu zeigen, wie viele Energie und Leidenschaft in der Branche stecken“, resümiert Matthias Balz, Direktor Internorga. Unterstützt wurde der Wettbewerb in diesem Jahr auch durch die Unternehmen Bon Bon, Meiko, Coca-Cola Europacific Partners, CF Gastro Service und Valdo Spumanti.

Bereits ab Sommer dieses Jahrs geht der Gastro-Gründer-Preis in die nächste Runde: Dann können sich Gründer, deren Gastronomie-Konzept nicht länger als zwei Jahre am Markt ist oder sich in der Gründungsphase befindet, für die kommende Austragung im März 2027 bewerben.


Über den Deutschen Gastro-Gründer-Preis
Der Deutsche Gastro-Gründer-Preis findet seit über zehn Jahren im Rahmen der Internorga in Hamburg statt. Er wird veranstaltet von den Kooperationspartnern Internorga, dem Kassensystemhersteller Orderbird sowie dem Leadersclub Deutschland und würdigt herausragende Startup-Konzepte in der Gastronomie. Unter allen eingereichten Bewerbungen wählt eine Fachjury basierend auf den drei Hauptkriterien Innovation, Wirtschaftlichkeit und Gründerpersönlichkeit fünf Finalisten-Teams aus, die dann ihr Konzept live im Finale auf der Fachmesse vorstellen. Wer am Ende den Hauptpreis in Höhe von 10.000 Euro gewinnt, entscheiden schließlich die Fachbesucher vor Ort per Live-Voting.