Tabellen-Ausschnitt aus dem Ranking der Top-Märkte für Restaurantgründungen, mit Bewertung in den ausgewählten Teilbereichen sowie der Gesamtbewertung. Quelle: Metro-Marktplatz / Grafik: EXISTENZ Gastronomie
Wo lohnt sich eine Eröffnung für Gastronomen in der EU besonders? Und welche Stärken und Schwächen bietet der deutsche Markt? Antworten liefert der „Restaurant Launch Report“ von Metro Marktplatz.
Für den langfristigen Erfolg eines Gastronomiebetriebs sind verschiedene Faktoren von Bedeutung – angefangen vom Konzept über den Standort bis hin zu Marketingstrategien, wirtschaftlichem Handlungsgeschick des Gründers und die Personalaufstellung. Doch auch die strukturellen Rahmenbedingungen im jeweiligen Land nehmen Einfluss auf die Kalkulationen des Unternehmens und damit auf die Wirtschaftlichkeit. Mit dem „Restaurant Launch-Report“ hat Metro Marktplatz die Ergebnisse einer Auswertung veröffentlicht, die die aktuellen Rahmenbedingungen für Restaurantgründungen in 20 EU-Märkten vergleicht.
Die Grundlage des Reports für die Beurteilung der jeweiligen Rahmenbedingungen bildet eine Datenanalyse, die auf öffentlich zugänglichen Daten basiert. Zu den Bewertungskriterien zählen die vier Kategorien „Umsatz & Nachfrage“, „Kosten & Margen“, „Gründung & Personal“ sowie „Wettbewerb & Immobilien“. Anhand dessen liefert der Report eine datenbasierte Orientierung für die Marktbewertung und macht Stärken und Schwächen der Märkte im Vergleich sichtbar.
Für die Auswertung im Bereich „Umsatz & Nachfrage“ werden sowohl touristische Ausgaben für die Gastronomie als auch die lokale Ausgabebereitschaft Einheimischer berücksichtigt. Dabei zeigt sich, dass gerade in Spanien, Frankreich und Italien der Tourismus ein zentraler Treiber für die Umsätze in der Gastronomie ist. So profitieren Spaniens gastronomischen Betrieben von jährlich rund 98 Milliarden Euro touristischer Ausgaben, in Frankreich sind es rund 71 Milliarden Euro und in Italien knapp 54 Milliarden Euro. Deutschland bewegt sich mit 38 Milliarden Euro hierbei im Mittelfeld, während Malta beispielsweise lediglich touristische Einnahmen für die Gastronomie in Höhe von 2,5 Milliarden Euro verzeichnet.
Nichtsdestotrotz liegt die Mittelmeer-Inselgruppe bei der Gesamtbewertung in der Kategorie „Umsatz & Nachfrage“ mit Platz 8 einen Platz vor Deutschland, da die lokale Ausgabebereitschaft der Einheimischen dort deutlich höher ist als in der Bundesrepublik. So geben die Malteser jährlich durchschnittlich 3.100 Euro pro Kopf (p.K.) für die Gastronomie aus und liegen damit auch im EU-Vergleich mit durchschnittlichen Pro-Kopf-Ausgaben von 1.900 Euro weit vorne. Lediglich die Bevölkerung in Österreich (3.270 € p.K.) und Irland (3.710€ p.K.) gibt noch mehr aus. Deutschland hingegen liegt mit 1.200 Euro pro Kopf deutlich unter dem EU-Durchschnitt.
Berücksichtigt man nun noch die Umsätze, die gastronomische Betriebe im Jahr durchschnittlich in den verschiedenen Ländern erzielen, so zeigt sich, dass sich Nachfrage je nach Markt sehr unterschiedlich in Erlöse auf Standortebene übersetzt. Während Spanien trotz hoher Dynamik im Tourismus im Durchschnitt auf rund 280.000 Euro pro Betrieb kommt, liegen Deutschland mit rund 460.000 Euro und Luxemburg mit rund 810.000 Euro deutlich darüber. Auch Malta generiert mit 370.000 Euro höhere Gesamteinnahmen als Spanien.
Diese Kennzahlen zeigen: Hohe Umsätze können auf ein tragfähiges Marktumfeld hindeuten, werden zum Teil aber auch durch ein höheres Preisniveau beeinflusst. Für Gründungs- und Expansionsentscheidungen sind erwartbare Umsätze damit ein relevanter Indikator, aber kein alleinstehender Maßstab für die Attraktivität eines Marktes.
Denn schließlich entscheidet auch die Kostenstruktur im jeweiligen Land darüber, wie wirtschaftlich erfolgreich ein Betrieb auf Basis seiner Umsätze aufgestellt ist. Dabei spielen die Preise für Lebensmittel und Energie eine wesentliche Rolle. Kühlung, Kochen, Backen und Lüftung machen die Branche in vielen Bereichen energieintensiv. Vergleichsweise kleine Unterschiede beim Preis pro Kilowattstunde können sich deshalb deutlich auf die laufende Kostenstruktur auswirken. In Skandinavien sind diese besonders niedrig (ca. 0,09bis 0,13 €/kWh). In Märkten wie Deutschland und Österreich liegen die Kosten für den Stromverbrauch dagegen bei etwa 0,21 €/kWh.
Auch beim Preisniveau für Lebensmittel und Getränke zeigen sich innerhalb der EU deutliche Unterschiede: Während die Konditionen hierfür laut Report insbesondere für Tschechien, Ungarn, Spanien und die Niederlande aktuell günstig sind, bewegen sich beispielsweise Slowenien, Portugal, Italien und auch Deutschland im Mittelfeld. Besonders teuer ist es für Gastronomiebetriebe derzeit unter anderem in Dänemark und Luxemburg. Für den EU-Vergleich bedeutet das: Beide Kostentreiber können die Margen spürbar beeinflussen. Märkte mit moderaten Wareneinsatz- und Energiekosten schaffen deshalb bessere Voraussetzungen dafür, dass Umsatz nicht unmittelbar durch die laufenden Betriebskosten aufgezehrt wird.
Entscheidend für die Attraktivität der Rahmenbedingungen sind darüber hinaus Gründungsprozesse – zum Beispiel Bürokratie-Effizienz – und Fachpersonal. Besonders effizient und gründungsfreundlich schneiden Griechenland, Irland und die Niederlande ab, wie Daten der Weltbank zeigen. Deutschland bildet hier mit Platz 17 zwar nicht das Schlusslicht in puncto Bürokratie-Effizienz – diese Position bekleidet Tschechien –, offenbart aber deutlichen Optimierungsbedarf, um Gastronomen die Umsetzung neuer gastronomischer Konzepte zu erleichtern. Auch mit Blick auf die Personalverfügbarkeit liegt Deutschland im EU-Vergleich im Mittelfeld, ohne das hierfür konkrete Zahlen im Report genannt werden. So benennen die Auswertungen lediglich günstige Bedingungen für Spanien, Irland und Portugal, während die Situation in Tschechien, Österreich, den Niederlanden oder Frankreich „auf ein angespanntes Personalumfeld hin[deuten], das den Aufbau und die Stabilisierung eines Betriebs zusätzlich erschweren kann“.
Zuletzt beleuchtet der Marktvergleich die Kriterien „Wettbewerb & Immobilien“. Ausschlaggebend für die Bewertung des Konkurrenzumfeldes ist hierbei die Restaurantdichte in den einzelnen Ländern. So weise eine hohe Restaurantdichte auf ein eng besetztes Marktumfeld hin, was dazu führe, dass viele Betriebe um dieselbe Aufmerksamkeit konkurrierten. Deutschland schneidet hierbei mit weniger als zwei Restaurants je Einwohner und Platz vier vergleichsweise gut ab und wird nur übertroffen von Spanien (1,6 p.K.), Dänemark (1,5 p.K.) und Polen (1,3 p.K.). Auch mit Blick auf die Immobilien- und Mietpreise wird Deutschland im Report mit Platz 7 im Ländervergleich als „stabil“ eingeordnet, konkrete Zahlen werden jedoch auch hierbei nicht aufgeführt.
In der Gesamtbetrachtung der Ergebnisse aus allen vier Kategorien ergibt sich damit für Deutschland ein durchwachsenes Fazit: Insgesamt belegt Deutschland als attraktiver Markt für Gastronomie-Neugründungen Platz 7 und bewegt sich damit im EU-weiten Vergleich im oberen Mittelfeld. Dabei erschweren Gastronomen hohe Energiekosten, steigende Lebensmittelpreise, ein hoher Bürokratieaufwand sowie eine geringe Personalverfügbarkeit die Betriebsgründung.
Spanien bietet den Auswertungen zufolge im Vergleich derzeit die attraktivsten Rahmenbedingungen für Restaurantgründungen und Expansion. Ausschlaggebend ist vor allem das Zusammenspiel aus starker Nachfrage, getragen von hohen lokalen Ausgaben und dem Tourismus, sowie vergleichsweise günstigen Kostenfaktoren.
Über Metro Marktplatz
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